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Wed, 04 Aug 2010

The Good, The Bad and The Ugly

Debian war immer schon für seinen Kommunikations-»Stil« bekannt. Es wurden sogar T-Shirts verkauft im Gedenken an Espy Klecker mit einem Zitat von ihm: Morons. I'm surrounded by morons. (»Idioten. Ich bin von Idioten umgeben.«) Ja, ich hab mir in den Anfangstagen selbst eines dieser Shirts gekauft. Und es gab Vorträge, die Debian als einen Platz beworben haben, an dem man Gutes Flamewar-Training bekommt. Und die Leute erachteten es als den Spaßfaktor.

Nach einigen Jahren wurde es ermüdend. Es wurde stressig. Es wurde unangenehm. Schlechte Gefühle kamen auf, zogen dich in den nächsten Flamewar, und von da ging's nur noch bergab. Es wurde beinahe unmöglich, nicht das Ziel eines Flamewars zu sein, wenn man mehr als nur minimale Betreuung der eigenen Pakete tat. Schnippische und extrem knappe Antworten wurden zum Standard.

Zu guter Letzt fingen die Leute damit an, aufzugeben und zu gehen. Das Hässliche daran ist, dass menschliche Ressourcen kritisch sind. Sie sind nicht endlos und können nicht einfach wie kaputte Hardware ersetzt werden, speziell wenn fähige Leute oder jene Leute gehen, die enorm viel Zeit und Anstrengungen investiert haben. Und da ein nicht geringer Teil der Leute auch ihr Herz in Debian investieren, fühlt es sich wie ein kleiner Selbstmord an und das öffentliche Nachdenken über diesen letzten Schritt ist als Schrei nach Hilfe zu sehen, die nicht gegeben wurde und nicht gegeben wird.

Die Lösung für diese Todesspirale? Ich bin mir nicht sicher. Wenn man über den Tellerrand schaut und für einen Augenblick alle unguten Gefühle ignoriert, die man sich vielleicht gegenüber Ubuntu wegen ihrem Erfolg und der Möglichkeit, laufend neue Mitstreiter zu finden, dann wird man dort eine weitaus freundlichere und produktive Umgebung vorfinden. Vermutlich kann man das auf den Verhaltenskodex zurückführen, über den ich letztes Jahr bereits geschrieben habe und der ein extrem gut gemeintes und nützliches Dokument ist (die Kritik, die ich geäußert habe, ist bereits seit einiger Zeit behoben, deswegen wurde ich ein MOTU). Und selbst wenn es manchmal schwer ist, ihn zu beherzigen, erinnert und ermutigt Mark Shuttleworth seine Mitstreiter, diesen Prinzipien selbst in schwierigen Zeiten treu zu bleiben.

Das Ergebnis? Wenn man die Planets verfolgt, findet man auf Planet Ubuntu einen sehr guten Anteil an Blog-Einträgen über Dinge, die geschafft wurden, verglichen mit der ebenfalls beachtlichen Rate an Herumgezetere auf Planet Debian. Und obwohl sich die Leute regelmäßig über den Kommunikationsstil in Debian beschweren, sind die Antworten auf auf die Frage nach einem Verhaltenskodex für Debian eher enttäuschend. Es ist daher mehr als nur verständlich, dass viele den Weg beschreiten, der sie selbst schmerzt, einen Schnitt machen und das Projekt in seinem Durcheinander zurück lassen.

Für mich selbst? Ich bin häufig genug nicht allzu weit von diesem Punkt entfernt, und ich kann jene nur allzu gut verstehen, die den letzten Schritt gemacht haben. Regelmäßige Schmähungen, speziell wenn man Dinge tut, die andere regelmäßig vernachlässigen aber trotzdem getan werden müssen, auf Basis davon heruntergemacht zu werden und nicht ernst genommen zu werden sowie respektlose Antworten zu bekommen verbessern nicht die Situation. Es passiert viel zu vielen Leuten und das einzige, was mich immer noch bei der Stange hält ist, dass ich noch nicht aufgeben will, dass ich nicht daran glaube, dass es Debian verbessern kann, den verschiedenen destruktiven Leuten den Platz zu überlassen.

Andererseits, irgendwann ist für jeden Mal das Limit erreicht...
ObTitel: Ennio Morricone - The Good, The Bad and The Ugly

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